Weniger Menge, mehr Bedeutung
Der Markt für Blumen und Pflanzen blieb 2025 monetär stabil, doch die Absatzmengen gingen zurück. Für die Floristik heißt das: Wertigkeit, Erlebnis und emotionale Aufladung werden wichtiger als Volumen. Warum kleinere Sträuße, Selbstbeschenkung und neue Zielgruppen 2026 strategische Chancen eröffnen.
von Co Concept im Auftrag der Messe Essen erschienen am 19.02.2026Der Gesamtumsatz mit Blumen und Pflanzen lag 2025 bei 8,5 Milliarden Euro und damit rund zwei Prozent unter dem Vorjahr. Das zeigt der Marktbericht, der zur IPM Essen 2026 erschienen ist. Monetär bleibt der Markt damit weitgehend stabil, doch die Mengen sinken: Konsumiert wird weniger – aber bewusster und mit höherer emotionaler Aufladung. Für die Floristik ergibt sich daraus ein klares Signal: Es geht nicht mehr um Volumen, sondern um Wertigkeit, Inszenierung und Relevanz.
Ein Blick auf die niederländischen Exportzahlen – als Gradmesser für den europäischen Markt – bestätigt den Trend: Der Wert der exportierten Schnittblumen stieg leicht, während die abgesetzte Menge (Stiele) um vier Prozent zurückging. Übersetzt für den Fachhandel heißt das: Sträuße werden kleiner, Budgets bewusster eingesetzt – doch die Bereitschaft, für Qualität und Anlass zu kaufen, bleibt.
Feiertage bleiben starke Umsatztreiber
Valentinstag und Muttertag entwickelten sich 2025 sehr erfreulich. Zum Muttertag wurden Umsatzzuwächse zwischen fünf und zehn Prozent verzeichnet, am Valentinstag sogar bis zu 20 Prozent. Besonders gefragt: klassische rote Rosen und dunkle Pinktöne. Auffällig ist jedoch die zunehmende Preissensibilität im Einkauf des Fachhandels sowie die wachsende Konkurrenz durch den Lebensmitteleinzelhandel im unteren Preissegment. Für die Floristik bedeutet das: Profilierung über Beratung, Gestaltungskompetenz und Erlebnis wird weiter an Bedeutung gewinnen.
Blumen sind weiterhin die „Nummer eins“ unter den zwischenmenschlichen Aufmerksamkeiten. Gleichzeitig gewinnt die Selbstbeschenkung an Relevanz: Rund ein Viertel der Blumenkäufe entfällt inzwischen auf diesen Bereich. Besonders Frauen greifen regelmäßig zu – für sich selbst.

Für Blumenfachgeschäfte liegt darin ein strategisches Potenzial: Weg vom reinen Anlassgeschäft, hin zur Positionierung als täglicher „Stimmungsaufheller“. Kleinere Arrangements, Wochensträuße, flexible Preislagen und Abomodelle können diese Entwicklung aufnehmen.
Strukturwandel beschleunigt sich
Die Zahl der Blumengeschäfte in Deutschland hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren nahezu halbiert – von 20.000 auf rund 10.600. Parallel entstehen neue Werkstattkonzepte mit Fokus auf Schnittblumen. Dieser Wandel setzt sich 2026 fort. Klassische Ladenstrukturen weichen flexibleren Formaten, Atelier- und Manufakturkonzepten. Für etablierte Betriebe bedeutet das: Schärfung des eigenen Profils, klare Handschrift und stärkere Community-Bindung sind entscheidend.
Potenzial: Jüngere Zielgruppen
Die Kaufzurückhaltung 2025 zeigte sich vor allem bei älteren Stammkundengruppen. Jüngere Generationen bewerten ihre wirtschaftliche Lage deutlich optimistischer – haben den regelmäßigen Blumenkauf jedoch noch nicht „erlernt“.
Social Media spielt hierbei eine Schlüsselrolle: 52 Prozent der Konsumenten informieren sich über Plattformen wie Instagram oder TikTok über neue Produkte. Für Floristikbetriebe wird 2026 entscheidend sein, Blumen emotional neu aufzuladen – über Themen wie Gesundheit, Lebensqualität, Achtsamkeit und Urbanität – und diese Inhalte digital sichtbar zu machen.
2026: Erlebnis schlägt Quadratmeter
Der Gartenbau – und mit ihm die Floristik – befindet sich laut Marktbericht in einer umfassenden Transformation. Neben Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Kostendruck rückt ein Aspekt immer stärker in den Mittelpunkt: das Erlebnis.
Nicht mehr nur „Umsatz pro Quadratmeter“, sondern „Erlebnis pro Quadratmeter“ entscheidet über Zukunftsfähigkeit. Für Floristikfachgeschäfte bedeutet das: persönliche Ansprache, Inszenierung, Workshops, Events und saisonale Dramaturgie werden zum Wettbewerbsfaktor gegenüber Systemhandel und Onlineanbietern.
Transformation aktiv gestalten
Der Markt 2025 war stabil, aber kein Selbstläufer. 2026 wird sich entscheiden, welche Betriebe die Transformation aktiv gestalten. Weniger Menge, mehr Bedeutung – dieser Trend spielt der Floristik in die Karten. Wer es schafft, Blumen als emotionales, gesundheitsförderndes und gesellschaftlich relevantes Produkt zu positionieren, wird auch in einem anspruchsvollen Umfeld bestehen. Denn eines zeigt der Marktbericht deutlich: Die Nachfrage nach Sinn, Rückzug, Erlebnis und Lebensqualität wächst. Und genau hier liegt die Stärke der Floristik.

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